Enscher Hannes-Mathes: eine Anekdote

Direkt nach Kriegsende war die Moselregion eine der strukturell und wirtschaftlich schwächsten Gebiete Deutschlands, bestand sie doch ausschließlich aus Land- und Weinwirtschaft. Die körperlich anstrengende Arbeit der Menschen beschränkte sich auf Hof, Feld und Weinberg und diente vornehmlich dazu sich selbst zu versorgen und das Nötigste zum Leben zu haben. Auf den Tisch kam, was geerntet wurde, das Vieh vom Hof erzeugte und zudem sättigend war: Gerichte aus Kartoffeln, Gemüse, Obst, Eiern, Milch. Zutaten, die nicht direkt vertan wurden oder übrig blieben, wurden spätestens am darauffolgenden Tag verarbeitet. Aus dieser Zeit stammt das Gericht „Hannes-Mathes“. Außerhalb des kleinen Weinortes Ensch schaue ich bei der Bezeichnung des Gerichts stets in fragende Gesichter: Was wird aufgetischt? Was ist Hannes-Mathes? Das Gericht Hannes-Mathes besteht aus übrig gebliebenen gekochten Kartoffeln, die in einer Pfanne mit Rapsöl knusprig angebraten werden. Die „fast“ Bratkartoffeln werden mit salzigem Pfannenkuchenteig übergossen und, gekonnt, einmal in der Pfanne gewendet. Hierzu reicht man selbst gemachtes Apfelmus. Zu damaliger Zeit löschte eine Porzellanfabrik Viez den Durst und die Mägen waren nach getaner Arbeit wohlwollend gefüllt. Woher stammt nun die Bezeichnung?

Da ist der Name Programm: Johannes „Hannes“ und Mathias „Mathes“ waren geläufige Vornamen im katholischen Moselort Ensch. An jeder gedeckten Tafel nahm mindestens ein hungriger Johannes und ein doppelt so hungriger Mathias Platz. So kam es, dass man das wohlschmeckende und sättigende Gericht Hannes – Mathes nannte, gelang es doch mit dem Gericht den Hunger vieler hungrige Mosellaner zu stillen.Gerne teile ich mit Ihnen das Rezept und meine persönliche Weinempfehlung. Viel Freude bei einer moselländischen Genussreise!

Hannes-Mathes-Rezept für 4 Personen

8 mittelgroße Kartoffeln (pro Portion 2 Kartoffeln) 5 Eier

250 g Weizenmehl

0,5 Liter Milch

Rapsöl zum Anbraten Salz nach Geschmack 8 Äpfel

Zubereitung Pfannenkuchenteig:

Eier und Milch mit einem Schneebesen schaumig schlagen. Das Mehl hinzufügen und gut unterschlagen. Die Kartoffeln in Scheiben schneiden und im heißen Rapsöl anbraten. Mit einem Schöpflöffel Pfannenkuchenteig über die gebratenen Kartoffeln geben, so dass diese gut bedeckt sind. Den Hannes – Mathes in der Pfanne wenden, so das er von beiden Seiten knusprig braun wird.

Zubereitung Apfelkompott:

Äpfel schälen, in Spalten schneiden und mit etwas Wasser in einem Topf andünsten. Den Saft einer 1⁄2 Zitrone hinzufügen und kurz aufkochen lassen. Die nun gedünsteten Äpfel mit einem Stampfer zerdrücken.

Weinempfehlung: 

natürlich ein Wein aus der sonnenverwöhnten Lage Enscher Mühlenberg. Zu dem salzigen Pfannenkuchengericht und leicht säuerlichem Apfelkompott kann ich mir sehr gut einen Rivaner Classic vorstellen: Der Rivaner Classic aus der Rebsorte Müller- Thurgau mit seinem feinfruchtigem Muskataroma ist zu diesem Gericht ein hervorragender Essensbegleiter.

Viel Spaß beim Ausprobieren und Guten Appetit!

Bilder, Text und Rezept von Vanessa Brockmüller